29.05.2026

OIB 7 und digitaler Produktpass: Bauen im Zeichen der Klimawende

Neue Regulatorik verändert die Spielregeln

 

Am 12. Mai 2026 fand die bereits 28. Ausgabe der Architekturlounge statt – unser Format zum fachlichen Austausch zwischen Planenden, Ausführenden. Das Thema des Abends: „OIB 7 und digitaler Produktpass – Fluch oder Segen?" – eine Frage, die angesichts der bevorstehenden regulatorischen Weichenstellungen kaum aktueller sein könnte.

Mit der für 2026 angekündigten OIB 7 wird die Ökobilanzierung – also die systematische Erfassung der Treibhausgasemissionen über den gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes – zur verbindlichen Anforderung im österreichischen Bauwesen. Ab 2030 treten konkrete Grenzwerte in Kraft, die einem definierten Absenkpfad folgen. Der regulatorische Rahmen ist Teil der übergeordneten EU-Klimastrategie, die das Bauen bis 2050 vollständig CO₂-neutral gestalten will. Für die Praxis bedeutet das: Materialwahl, Konstruktionsweise und Gebäudebetrieb müssen künftig messbar und nachvollziehbar belegt werden.

 

Digitaler Produktpass: Vom Baustoff zum dokumentierten Lebenszyklus

 

Parallel zur Ökobilanzierungspflicht gewinnt der digitale Produktpass an Bedeutung. Als standardisiertes Datenobjekt bündelt er alle relevanten Informationen zu Bauprodukten und Materialien – von Herstellungsemissionen über Zusammensetzung bis hin zu Recyclingfähigkeit – und macht diese über die gesamte Nutzungsdauer abrufbar. Er wird damit zur Grundlage für Life-Cycle-Assessment, Lieferkettentransparenz und künftige Rückbauplanung.

Die anschließende Diskussion machte die Ambivalenz dieser Entwicklung deutlich: Bürokratieabbau auf der einen, wachsende Dokumentationspflichten auf der anderen Seite. Wie sich beides in der Praxis verträgt, bleibt eine offene Frage. Klar ist jedoch: Wer sich frühzeitig mit diesen Instrumenten auseinandersetzt, verschafft sich einen entscheidenden Vorsprung. 

Für die nötige fachliche Tiefe sorgten an diesem Abend zwei ausgewiesene Experten: Gunther Graupner, Geschäftsführer der ZAB – Zukunftsagentur Bau, die als österreichweites Wissensnetzwerk die Bereiche Forschung, Digitalisierung und Bildung der Bauwirtschaft bündelt, sowie Otto Handle, Geschäftsführer von Inndata – einem zentralen Datendienstleister der Bauwirtschaft, der alle Phasen des Bauprozesses digital begleitet, von der Planung über die Kalkulation bis hin zur Beschaffung von Baustoff- und Artikelstammdaten. Ein herzliches Dankeschön an beide für ihre ehrlichen Einblicke und die Bereitschaft, auch unbequeme Fragen offen zu diskutieren.

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